LOKALE AGENDA 21 OBERBOIHINGEN
ARBEITSKREIS ALTERNATIVE ENERGIEN

16. Oktober 2003
Staatssekretär Stefan Mappus: Kommunen und Agenda-Gruppen im Land leisten hervorragenden Beitrag zum Umweltschutz

Land vergibt an zehn Kommunen Anerkennungspreis in Höhe von jeweils 2000 Euro

"Die Kommunen und Agenda-Gruppen im Land leisten einen hervorragenden Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz. Das Ergebnis ehrenamtlicher Arbeit wird gerne in Anspruch genommen, die Akteure selbst bleiben aber oft ungenannt. Ich freue mich, dass wir zehn Kommunen einen Anerkennungspreis in Höhe von jeweils 2000 Euro übergeben können", sagte Staatssekretär Stefan Mappus vom Umwelt- und Verkehrsministerium am 16. Oktober 2003. Mit dabei seien Baden-Baden, Birenbach (Landkreis Göppingen), Bruchsal (Landkreis Karlsruhe), Fichtenberg (Landkreis Schwäbisch Hall), Heidelberg, Hirschberg (Rhein-Neckar-Kreis), Ludwigsburg, Oberboihingen (Landkreis Esslingen), Spaichingen (Landkreis Tuttlingen) und Stuttgart. Für den Anerkennungspreis, der im März diesen Jahres ausgeschrieben wurde, gingen 125 Anträge ein. "Die Lokale Agenda boomt: Seit 1999 haben bereits über 346 Kommunen und 14 Landkreise einen Beschluss zur Agenda 21 gefasst. Wir freuen uns, dass diese Zahl stetig steigt", erklärte Staatssekretär Mappus.
Mehr als 170 Staaten haben sich 1992 in Rio de Janeiro auf ein globales Aktionsprogramm für eine nachhaltige Entwicklung, die Agenda 21, verständigt. Die Agenda 21 gibt im Hinblick auf künftige Generationen den Auftrag, mit den natürlichen Ressourcen schonend umzugehen, ebenso wie die Armut zu bekämpfen. Stichworte für Handlungsfelder sind zum Beispiel fairer Handel, Veränderung der Konsumgewohnheiten, Erhalt der Artenvielfalt sowie Klimaschutz. 1996 wurde dann der "Lissabonner Aktionsplan" mit Vorschlägen aufgestellt, wie der Grundgedanke der Agenda 21 auf kommunaler Ebene umgesetzt werden kann - die Lokale Agenda 21 war geboren. Treibende und koordinierende Kraft in Sachen Nachhaltigkeit soll danach die Kommunalverwaltung sein.
Die Landesregierung hat Ende 2000 den Umweltplan Baden-Württemberg beschlossen. Darin werden Leitvorstellungen für eine dauerhaft umweltgerechte Entwicklung des Landes dargestellt. Viele Projekte der Lokalen Agenda 21 sind geeignet, Problemstellungen vor Ort aufzugreifen und zu lösen. Sie dienen aber auch als Vorbild für gleichgelagerte Situationen an anderen Stellen. In den letzten vier Jahren hat das Land insgesamt rund 2 Mio. Euro Projektzuschüsse für über 200 konkrete Aktionen zur Verfügung gestellt. Motivation für die Förderung ist auch die Überlegung, gute Ideen, die meist ehrenamtlich umgesetzt werden, nicht am Geldmangel scheitern zu lassen. "In Baden-Württemberg füllen viele Tausend Bürger den Begriff Nachhaltigkeit mit Leben. Das Engagement zeigt auch, dass Umweltschutz kein Luxus, sondern eine unserer Lebensgrundlagen ist", betonte Staatssekretär Mappus.
Unter zehn Preisträgern erhielt auch die Gemeinde Oberboihingen mit ihrem Arbeitskreis Alternative Energien einen Anerkennungspreis des Landes B.W. in Höhe von 2.000 Euro. Der Preis für hervorragende Leistungen im Umweltschutz und der Lokalen Agenda 21 wurde von Staatssekretär Stefan Mappus an den Sprecher des Arbeitskreises, Fritz Pfleghar, im Umweltministerium überreicht. Prämiert wurde die Herausgabe des Informations- und Diskussionspapiers "Oberboihingen 2020 - Vision oder Wirklichkeit". Die Broschüre soll dazu beitragen ein nachhaltiges Energiekonzept für die Gemeinde Oberboihingen im 21. Jahrhundert zu finden.
 
Das Bild links zeigt die Mietglieder des Arbeitskreises Alternative Energien Oberboihingen,(von links) Armin Giesel, stellvertretender Bürgermeister Jürgen Käsmann, Staatssekretär Mappus, Fritz Pfleghar und Wolfgang Franz.

Kurzbeschreibung der ausgewählten Projekte zum Anerkennungspreis

Gemeinde Oberboihingen (Landkreis Esslingen):
"Oberboihingen 2020"
Der Arbeitskreis Alternative Energien Oberboihingen hat ein beispielhaftes Informations- und Diskussionspapier entwickelt, das als Grundlage für ein Energiekonzept der Gemeinde dienen kann. Die Broschüre enthält allgemeine Infos zum Energiesparen, zu Förderprogrammen und zu technischen Grundlagen. Sie wurde mit einem Fragebogen und einem Gewinnspiel (1. Preis: 1 EnergieSparCheck) an 3.000 Haushalte verteilt.
 
Stadt Baden-Baden:
"Prima Klima durch Sonnenstrom und Wärme vom Acker"
Der Arbeitskreis Klimaschutz, Energie und Mobilität hat in einem Zweifamilienhaus ein Blockheizkraftwerk installiert, das allein mit Pflanzenöl betrieben wird. An der Anlage sind dabei einige pfiffige Neuerungen zur Leistungsoptimierung verwirklicht worden. In einer Begleitstudie hat sich der Arbeitskreis zu dem Gedanken zur energetischen Nutzung von Biomasse, zur Wirtschaftlichkeit dieser Nutzung, zu den Chancen für Handwerk und Landwirtschaft und zu den Zielen des Umweltplans Baden-Württemberg gemacht. Ein auergewöhnlich anspruchsvolles Projekt auf hohem technischen Niveau.
 
Gemeinde Birenbach (Landkreis Gppingen):
"Naturnaher Spielplatz Birenbach"
Ein lebendiger Beweis für das, was bürgerschaftliches Engagement hervorbringen kann, ist der "Naturnahe Spielplatz Birenbach". Eine ganze Gemeinde, von den Kindern bis zu den Eltern und Großeltern, hat gemeinsam einen Erlebnispark geschaffen, der den Alten als Treffpunkt und den Jungen als Spielplatz dienen kann.
 
Stadt Bruchsal (Landkreis Karlsruhe):
"Tauschring Region Bruchsal"
Verbrauchsmuster ohne Verzicht auf Lebensqualität zu ändern und damit soziale Gerechtigkeit und aktiven Umweltschutz zu fördern, das hat die Arbeitsgruppe Soziale Dienste - Tauschring der Stadt Bruchsal erreicht. Seit dem Bestehen des Projekts im Jahre 2000 haben mehr als 230 Mitglieder 1.800 Arbeitsstunden geleistet, in denen sie ihre Fähigkeiten austauschten oder für soziale Zwecke zur Verfügung stellten. Das Angebot ist vielfältig und reicht von einfachen Handreichungen bis zur Hilfe bei der Haussanierung. Der Tauschring der Region Bruchsal wurde Modell für die Gründung weiterer Tauschringe im Bundesgebiet.
 
Gemeinde Fichtenberg (Landkreis Schwäbisch Hall):
Agenda-Prozess in Fichtenberg
Fichtenberg gehört mit 2.900 Einwohnern zu den kleinen Gemeinden im Land. Um so erstaunlicher sind die Leistungen der zahlreichen Agenda-Arbeitsgruppen. Der Arbeitskreis Energie und Umwelt hat mit selbsterarbeiteten Plakaten auf die Notwendigkeit des Klimaschutzes hingewiesen und eine Gemeinschaftsphotovoltaikanlage auf dem Dach der Grundschule initiiert. Mit dem Thema "Zukunftsorientierte Altbaurenovierung" hat sich der Arbeitskreis für 2003 ein wichtiges Feld des Klimaschutzes vorgenommen. Weitere Arbeitskreise befassen sich mit Landschaftspflege und Dorfentwicklung, mit Kultur und Tourismus und dem Agendaprozess in der polnischen Partnergemeinde Proszowice. Der Agendaprozess in Fichtenberg ist ein Musterbeispiel für bürgerschaftliches Engagement in kleinen Gemeinden.
 
Stadt Heidelberg:
"Fachtagung LA 21 und Schule"
Das Agenda Büro der Stadt Heidelberg veranstaltete zusammen mit dem Institut für Weiterbildung der PH Heidelberg eine Fachtagung unter dem Motto "Schule für die Zukunft - Nachhaltiges Lernen in der Praxis". Ziel der Veranstaltung war es, Wege aufzuzeigen, wie Kinder auf ein verantwortungsbewusstes Leben vorbereitet werden können. In mehreren Workshops zu Themen wie Mobilitätserziehung, Klimaschutz in der Schule, Lernen im Öko-Garten wurde erarbeitet, wie Kinder aktiv dazu beitragen können, die Zukunft ressourcenschonend, sozial gerecht und wirtschaftlich erfolgreich zu gestalten. Von den teilnehmenden Lehrerinnen und Lehrern wurde vor allem der hohe Praxisbezug gelobt. Viele nützliche Ideen und Motivation für Neues konnten als Anregung für den Unterricht mitgenommen werden.
 
Gemeinde Hirschberg (Rhein-Neckar-Kreis):
"Aktion Sonne ins Netz"
Der Arbeitskreis Umwelt und Naturschutz hat auf zwei Schuldächern der Gemeinde Hirschberg eine "Bürger-Photovoltaikanlage" installiert, an der sich seit Juni 2001 schon 19 Bürger beteiligen. Diese Gemeinschaftsanlage besteht aus Anlagenteilen, die für sich allein funktionsfähig sind und getrennt abgerechnet werden. Beispielhaft ist auch die geleistete Öffentlichkeitsarbeit, die dazu geführt hat, dass bereits drei Nachbargemeinden das Modell von Hirschberg übernommen haben.
 
Stadt Ludwigsburg:
"1. Ludwigsburger Energieinfotage"
Die Ludwigsburger Energieinfotage wurden vom Arbeitskreis "Klimaschutz und Energie" der Lokalen Agenda Ludwigsburg geplant und durchgeführt. Ein interessantes Programm von der Altbausanierung bis zur Pelletsheizung begleitet von Fachvorträgen erreichte über 1.000 Besucher. Um den Besuchern auch echte Praxis zu vermitteln, wurden per Bus kostenlos verschiedene Ziele zum Thema Energie angefahren. So gab es Infos zur Wasserkraft, zur Klärschlammfaulungsanlage oder der Solarzellenproduktion. Über eine intensive Öffentlichkeitsarbeit konnten Themen wie Klimaschutz und Energiesparen einer breiten Öffentlichkeit im Raum Ludwigsburg näher gebracht werden. Ein engagiertes Projekt mit vielen kreativen Ideen, das als Vorbild für andere Infotage dienen kann.
 
Gemeinde Spaichingen (Landkreis Tuttlingen):
"Spaichinger Solarstudie"
Die Spaichinger Solarstudie ist eine Bestandsaufnahme zur Nutzung der Solarenergie in Spaichingen. Sie schafft es für die Nutzung der Sonnenenergie zu werben und dabei gleichzeitig einem "Ökopessimismus" entgegenzutreten. Für die Gemeinde Spaichingen ist sie der Anstoß zur Erarbeitung eines Klimaschutzkonzepts. Sie hat auch dazu geführt, dass Spaichingen auf Platz 11 der Solarbundesliga steht.
 
Stadt Stuttgart:
"Sonnenkraftwerk Degerloch"
Im Rahmen der Lokalen Agenda Degerloch hat eine kleine Gruppe von Bürgern eine Anlage zur photovoltaischen Stromerzeugung auf den Dachflächen der Filderschule in Degerloch geplant, finanziert und errichtet. Beteiligt waren außerdem Degerlocher Handwerker und die "Solateur-Klasse" des Solarenergiezentrums der Stuttgarter Elektro-Innung. Dieses Vorzeigeobjekt besticht durch seine Größe (ca. 46 kW) und rasche Umsetzung innerhalb von zwei Jahren.
 

Homepage des "Arbeitskreis Alternative Energien Oberboihingen":
http://akae-oberboihingen.bei.t-online.de

webmaster: Armin Giesel Mi, 7. Apr 2004